Ursprünglich von der Bildhauerei kommend, befragt die Künstlerin Veronika Witte (*1962) mit unterschiedlichsten Medien die Erscheinung und Rolle des Körpers in der Gegenwartsgesellschaft: als Ideal, als Kapital, als Ressource bei zunehmender Entkörperlichung im Zeitalter digitaler Technologien. In künstlerischer Feldforschung gewonnenes Text- und Bildmaterial bildet die Basis für viele ihrer Skulpturen, Videos und Installationen. Die erstmalig im Gotischen Haus zusammen präsentierten Werkgruppen Liquid Identities und Ghosted Bodies sind konstruierte Kunstkörper und loten sowohl statische als auch ästhetische Grenzen aus. Wittes kalt silbrig schimmernde und leuchtend farbige Skulpturen entziehen sich eindeutigen Zuschreibungen. Sie erscheinen organisch und künstlich, vertraut und fremd, als alternative Lebensformen, die sich zugleich allen normierten Idealen des menschlichen Körpers verweigern. Ihre Präsenz interagiert mit dem Klang künstlicher Stimmen. Generiert aus einer Spracherkennungssoftware, lesen diese Stimmen Fragmente eines endlosen kryptischen Texts: der genetischen Grundlage, die alle Menschen kennzeichnet und zugleich nichts über ihre individuellen Identitäten preisgibt. In der hybriden Architektur des Gotischen Hauses entfalten die Installationen aus Sound, Video und amorphen Skulpturen ein ambivalentes Wechselspiel zwischen dem sogenannten Menschlichen und dem Kreatürlichem, zwischen Leere und Masse, zwischen amorpher und akustischer Körperlichkeit.